Heßmann gewinnt Silber bei den Olympischen Spielen der europäischen Jugend

Györ/Ungarn - Mit der Silbermedaille im Ein-zelzeitfahren bei den Olympischen Spielen der Europäischen Jugend EYOF in Ungarn, setzte Michel Heßmann vom RSV Unna das bisherige Highlight für das Team des DOSB. Die Energie im Stadtwerke-Team-Unna scheint bei den Sportlern des RSV ungebrochen und sorgt mit Michel Heßmann für seinen größten Erfolg.

 

Nach dem Gewinn der Silbermedaille sprach Frank Schemmer mit Michel:

 

Schemmer:

Michel, herzlichen Glückwunsch. Wie war das Rennen heute für dich?

Michel:

Es war schwierig. Ich bin als letzter Fahrer auf die Startrampe, kannte alle gefahrenen Zeiten und wusste wie stark die anderen waren. Da kam ich dann schon ganz schön ins Grübeln, ob das was werden kann. Dazu kam, dass vor uns die Mädchen gestartet waren. Da hieß es erst, dass wir Bronze gewonnen hatten, was anschließend zurück genommen wurde. Da kam dann auch noch die Frage auf, was ist wenn hier die Zeitmessung spinnt und mir ähnliches passiert?

 

Schemmer:

Wie lief das Rennen dann für dich?

Michel:

Ich habe mein normales Warmfahrprogramm absolviert und versucht mich zu konzentrieren. Im Rennen war ich nicht zufrieden. Ich hatte auf den Hinweg Rückenwind und bin mit 55 km/h gefahren. Auf dem Rückweg habe ich versucht mich an meinen Wattwerten zu orientieren. Diese habe ich aber nie erreicht. Daher habe ich zwischendurch immer wieder ein paar Tritte ausgelassen. Das war wohl der größte Fehler. Bei den acht Kreisverkehren habe ich dann auch noch viel Zeit liegen lassen. Da bin ich wohl viel zu langsam durch.

Mir haben die Wattwerte, die mir sonst so wichtig sind, heute wohl geschadet. Das hat mich die ganze Zeit beschäftigt. Insofern war das Rennen heute eine absolute Kopfgeschichte.

 

Schemmer:

Du hast die Silbermedaille gewonnen.

Michel:

Ja, das ist echt krass. Es haben nur vier Sekunden zu Platz 1 gefehlt. Anders kann ich auch glücklich sein, denn der Dritte und Vierte waren weniger als eine Sekunde hinter mir. Die Qualität der Fahrer ist schon herausragend hier. Ich bin jetzt einfach nur happy. Mit der Medaille ist auch vom Team der gesamte Ballast abgefallen. Es nimmt uns den Druck.

 

Schemmer:

Wie ist es dort bei Olympia?

Michel:

Das ist hier echt Olympia. Am Sonntag hatten wir die Eröffnungsfeier in einer großen Halle. Die war mit über 10000 Zuschauern ausverkauft. Es gab ein tolles Programm, eine Lichtshow und unseren Einmarsch. Der war besser als in Rio, weil wir nicht stundenlang draußen warten mussten sondern auf den Rängen warten und zusehen konnten.

 

Schemmer:

Wie war der Einmarsch?

Michel:

Es war der Wahnsinn. Es war einfach Gänsehautfeeling, laut, bunt und unvergesslich. Ich durfte auch direkt hinter unserem Fahnenträger einmarschieren, es war nämlich mit Henry Uhlig ein Radsportler und Zimmerkollege von mir. Fast hätte ich die Fahne tragen dürfen. Es war ein Riesending und besser als Rio. Wir bekamen alle Nationensticker, damit wir diese dann mit den anderen Nationen tauschen konnten. Ich habe dann auch schnell Kontakt zu Italienern und Schweizern bekommen. Das ist klasse.

 

Schemmer:

Wie ist die Unterbringung?

 

Michel:

Wow, wir sind hier alle im olympischen Dorf auf 3er Zimmern, die mit einem Waschraum mit einem Nachbarzimmer verbunden sind. Ich bin mit den anderen beiden Radsportlern und nebenan sind die Kanuten. Die sind auch richtig gut in ihre Wettbewerbe gestartet und gemeinsam wollen wir das erfolgreichste Zimmer werden.

Hier ist ansonsten jeder freundlich und die Stimmung ist super. Die Kontrollen im Dorf sind so wie bei Olympia. Du kommst nur mit Akkreditierung hinein und deine Taschen werden durchsucht. Sicherheit wird hier groß geschrieben.

 

Schemmer:

Wie geht es weiter?

Michel:

Ich komme gerade vom Interview des DOSB. Die machen das wie bei Olympia und laden die Medaillengewinner ein. Das wird dann live auf facebook (Team Deutschland) gezeigt und man kann Fragen stellen. Jetzt ist ein Tag etwas Ruhe. Ich werde mir die Beine vertreten und bei anderen Sportarten vorbeischauen. Morgen geht es dann ins Straßenrennen. Zwischendurch gehe ich dann noch zur Physiotherapie. Die Therapeutin ist klasse, das habe ich noch nicht erlebt. Die war auch schon bei richtig großen Events mit dem DOSB unterwegs.

 

 

 

Danke Michel, wir wünschen dir noch viel Spaß und Erfolg!

 

Hoch konzentriert steht Michel Heßmann auf der Startrampe
Hoch konzentriert steht Michel Heßmann auf der Startrampe