Wolf jagt die Tour-Starter

Ein Rückblick auf die Deutsche Meisterschaft der Elite in Einhausen

Einhausen – Während die Radsportwelt aktuell schon mal nach Frankreich blickt, schauen wir einmal kurz zurück in den Jägerswald in Einhausen. Bei den Deutschen Meisterschaften jagte Justin Wolf vom RSV Unna die Tour de France-Starter um Toni Martin und Nils Politt (beide Katusha-Alpecin) vor sich her. Die beiden starten morgen auf einer kleinen Insel vor der Westküste Frankreichs, wo sie Wolf allerdings nicht fürchten müssen.

Bereits im vergangenen Jahr in Chemnitz überraschte Wolf die Kenner der Szene mit seinem achten Platz im Zeitfahren. In diesem Jahr hat sich der Amateur aus dem Rad-Team Stadtwerke Unna den Respekt aller endgültig erworben. „Ich möchte einen Schnitt von über 50 Km/h fahren und glaube, weit vorne eingreifen zu können.“ Weit vorne bedeutete bei Toni Martin, Jasha Sütterlin (mehrfacher Tour-Starter), Nikias Arndt (Sunweb), Maximilian Schachmann (Quik-Step), der in diesem Jahr einen Etappensieg beim Giro DÌtalia einfuhr und eben Nils Politt, der großen deutschen Nachwuchshoffnung.

 

Es war unheimlich spannend, als wir die Zwischenzeiten bekamen und Justin, vier Kilometer vor dem Ende, nur sieben Sekunden hinter Nils Politt lag. Wenn wir dann vor dem Ziel abbiegen müssen und lange die Endzeit nicht mitbekommen, drückt es den Puls nicht gerade herunter“, so Frank Schemmer, der Wolf im Begleitfahrzeug betreute. „Ich war gut vorbereitet und wusste, dass wieder keiner mit mir rechnen würde. Wir hatten zusammen mit Lars Teutenberg noch einmal an kleinen Stellschrauben Veränderungen vorgenommen und so einige Watt Optimierung umsetzen können.“

 

Auf der 15 Kilometer langen Runde, die dreimal zu fahren war, gab es im Start Zielbereich immer wieder enge Kurven zu fahren. „Ich bin dort lieber etwas vorsichtiger gefahren, weil ich dort nicht gewinnen, sondern nur verlieren kann, wenn ich stürze. Die langen Geraden kamen mir dann wieder entgegen. Ich bin stolz, dass ich meinen Rückstand zu Toni Martin halbieren konnte. Mal sehen, was eventuell im nächsten Jahr noch möglich ist.“

 

Am Ende fehlten Wolf sechs Sekunden auf Politt und nur 41 Sekunden auf die Bronzemedaille. Mit Platz sechs hat sich Wolf damit endgültig auch in die Elite der deutschen Zeitfahrer geschoben. 


Paller übernimmt Führung in der Bundesliga

 

Für Tatjana Paller lief es bei den Deutschen Meisterschaften nicht ganz zur Zufriedenheit. „Ich bin zwar keine ausgesprochen gute Zeitfahrerin, dennoch hatte ich mir ein wenig mehr als den 15. Platz zugetraut. Am Ende bin ich aber froh, dass ich damit in der Bundesligawertung wieder die Führung zurück erobern konnte. Am kommenden Sonntag darf ich dann wieder im Lila-Trikot der Führenden bei den Bahnwettkämpfen an den Start gehen. Das sollte mir liegen und helfen, die Führung zu verteidigen“


Luke Derksen in der Spitzengruppe des Tages

 

Am Sonntag ging es dann für Aaron Grosser, Luca Felix Happke, Justin Wolf und Luke Derksen in das Straßenrennen der Deutschen Meisterschaft. Die Vorzeichen und Ziele hätten bei den Fahrern nicht unterschiedlicher sein können. Während Aaron Grosser auf eine Sprintankunft hoffte, machten sich Luke Derksen und Justin Wolf Hoffnungen, mit einer Ausreißergruppe die Chance nutzen zu können.

 

So sollte es dann für Luke Derksen in der dritten von 19 Runden kommen. Gemeinsam mit sieben Mitstreitern konnte sich Derksen vom Feld lösen. „Bis dahin war das mit einem Stundenmittel von fast 50 km/h schon ein verdammt schnelles Rennen. Als es dann einen kleinen Moment ruhiger wurde konnten wir uns absetzen“, so Derksen nach dem Rennen. Im Liveticker konnten die Freunde und Trainingskameraden seinen Ausreißversuch mitlesen. In der Spitze mit über 5 Minuten Vorsprung sah es lange Zeit nach einer Chance aus. Nach 140 Kilometern war es dann aber um die Fluchtgruppe geschehen. Katusha-Alpecin, Bora-Hansgrohe und Sunweb hatten das Tempo mächtig hoch gedrückt und konnten die Ausreißer 60 Kilometer vor dem Ziel wieder stellen. So kam es ganz nach dem Wunsch von Aaron Grosser zu einem Sprint um den Meistertitel. „Ich hatte mir einiges ausgerechnet. Am Ende habe ich aber leider auf das Hinterrad von Marcel Kittel gesetzt. Als ich gemerkt habe, dass es bei ihm nicht läuft war es in der engen Zielanfahrt nicht mehr möglich weiter vor zu kommen“, so Grosser nach dem Rennen.


Tatjana Paller siebte der DM

Anders als bei den Männern glich das Rennen der Frauen lange Zeit eher einer Kaffeefahrt. Nachdem sich unmittelbar nach dem Start eine Gruppe unbekannter Fahrerinnen abgesetzt hatte, lies sie das Feld, um die Top-Favoritinnen Lisa Brennauer, Trixi Worrack, Charlotte Becker und Lisa Klein, gewähren. Es wurde erst 30 Kilometer vor dem Ziel richtig Rennen gefahren. Schnell schmolz der Vorsprung und zu Beginn der letzten 12 Kilometer-Schleife konnten die letzten Ausreißerinnen gestellt werden.

 

Dann wurde es hektisch und Konterattacken wurden gefahren. Bei der erfolgreichen war es dann mal wieder Tatjana Paller, die entscheidenden Anteil daran hatte, dass sich eine siebenköpfige Spitzengruppe absetzen konnte. 600 Meter vor Ende des Rennens trat Paller an und versuchte mit einem überraschenden Antritt die Chance auf den Titel zu nutzen. Leider waren alle Fahrerinnen hellwach, setzten nach und schlossen schnell die kleine Lücke, die Paller herausfahren konnte. „Ich wusste, dass ich im Sprint keine Chance haben würde, da musste ich es halt versuchen. Immerhin habe ich es wieder in die Spitzengruppe geschafft und bin darauf auch stolz.“

 

 

 

Wer ab morgen die Tour de France auf Eurosport verfolgt, hat die Freude, Karsten Migels zu lauschen. Hier interviewt er gerade „unsere“ Tatjana. Und ab morgen gibt es dann wieder geniales Fachwissen rund um den Radsport … tollen Tipps zu Frankreichs Sehenswürdigkeiten … und hier und da bestimmt auch einige Ratschläge, was guten Wein angeht^^