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Sim-Jü - Ein Jahrmarkt mit über 650 Jahren Tradition

Werne - Wenn Bürgermeister Lothar Christ am kommenden Samstag auf dem Marktplatz gegen 14:00 Uhr die historische Freifahne hisst, kann dies nur bedeuten: Sim-Jü - der älteste noch bestehende und urkundlich verbriefte Freimarkt Westfalens, öffnet wieder seine alljährlichen Pforten.

Solch große Ereignisse gehören ordentlich angekündigt. Darum wird um 12 Uhr, also zwei Stunden vorher in Werne gebeiert, was die Glocken hergeben! Beiern nennt man das handgemachte anschlagen von Kirchenglocken. Dazu aber mehr in den nächsten Tagen.

Ihr merkt schon, Sim-Jü trägt ganz viel Tradition mit sich. Was sich eben so seit über 650 Jahren zusammen gesammelt hat. Apropos Sammeln … Der Schaustellerbetrieb Petter ist in diesem Jahr zum 70. Mal dabei! Aber weiter im Text: Im Jahre 2012 feierte der Simon-Juda-Markt quasi seinen 650. Geburtstag, wobei es ihn ja ehrlich gesagt schon wesentlich länger gibt. Der damalige Landsherr (der kein geringerer war, als der Bischof von Münster) gewährte seiner Grenzstadt Werne, jedes Jahr zu Simon und Juda einen freien Jahrmarkt zu begehen. 

Das älteste Dokument der Werner Stadtgeschichte belegt urkundlich, dass das Volksfest schon viele Jahre vor 1362 als Jahrmarkt stattgefunden haben muss.

In der Urkunde steht nämlich folgender Wortlaut: „die Kirmes, die da pflegt zu sein zu Simon und Juda-Messe“ … Demnach fand der Jahrmarkt also schon vorher statt. Aber der Werner an sich ist ja nicht so, und lässt 1362 einfach mal so als Entstehungsjahr gelten.

Der Simon-Juda-Markt war ursprünglich ein ganz einfacher Freimarkt, der stets zum Simon- und Juda Tag (dem 28. Oktober) stattfand und immer noch stattfindet. Also ein Umschlagplatz für Geld und Waren aller Art. Der Begriff „Simon-Juda-Markt“ wird heute kaum noch genutzt. In der westfälischen Mundart sagt man kurz und knapp nur noch Sim-Jü.

Es soll sogar schon Kinder gegeben haben, die eher „Sim-Jü“ sagen konnten, als „Mama“ oder „Papa“. Bestätigt ist das jetzt allerdings nicht.

Was wir allerdings sehr wohl als bestätigt sehen, ist die Vorfreude - die hat sich in all den Jahren scheinbar kaum verändert. Groß und Klein freut sich wie ein Schnitzel und schaut aufgeregt bei den Aufbau-Arbeiten zu.

Und je näher man diesem historischen Datum kommt, umso mehr steigt das Verlangen nach dieser typisch westfälischen Volksfest-Gemütlichkeit. Ganz gleich, ob man mit der Familie, in der Gruppe mit Freunden oder als Päärchen über das Volksfest flaniert – es ist für jeden etwas dabei. Was früher noch unter dem Siegel des Belustigungsgewerbes stand, hat sich im Laufe der Zeit natürlich verändert. Allerdings handelt es sich immer noch um das fahrende Volk. Einige Schausteller-Familien, wie z.B. Arens, Wendler, Petter, Kleuser, Kaiser, Schütze, Bügler, sowie Festwirt Lübcke und viele andere  bestimmen teilweise schon seit Generationen das Jahrmarkt-Geschehen, und gehören zum traditionellen Stamm auf Sim-Jü. Es gibt bestimmt auch noch Leute, die sich gern an den Festbetrieb Bernhard Knippers erinnern, die vor Lübcke für die Versorgung im Festzelt sorgte. Nun ist der Festwirt Lübcke aber auch Geschichte. In diesem Jahr übernimmt der Festwirt Peter Böseler mit seiner Sim-Jü-Festhalle. Man könnte da noch einige weitere Schausteller-Familien, wie z.B. Berghaus mit dem Twister, den Bonner Break Dance, die Kracke-Losbude, den Isken Autoscooter und das Shake&Roll von Schäfer nennen. Kennt ihr noch die Petersburger Schlittenfahrt? Das kann sich schon ganz schön sehen lassen, was in Werne an Tradition geboten wird. Da gehören auch Stefan Kaiser & seine Ponys dazu. Das ist manchmal schon wie ein Familientreffen^^ Man kennt sich halt.

Tradition wird auch an den letzten beiden Sim-Jü-Tagen ganz groß geschrieben. Montags das Feuerwerk ist für viele Familien eine heißgeliebte Tradition - selbst wenn es lausig kalt ist. Und am Dienstag dann der beliebte  Kram- und Viehmarkt. Zu Zeiten des Freimarktes im Jahre 1362 sah das Angebot der Händler sicher etwas anders aus. Aber auch heutzutage kann man den Flair vergangener Zeiten noch spüren, wenn man so zwischen modernem Firlefanz und alter Handwerkskunst umher flaniert.

 

 

 

 

Die Zeiten ändern sich, aber die Tradition bleibt! Solange die Freifahne zu SimJü weht, ist Jahrmarkts-Stimmung garantiert!