Zippelmütz und das Krankenhaus – Wieso, weshalb, warum ...

Werne/Münster – Nun ist es bereits ein Jahr her, dass ich ins Krankenhaus kam. Genauer gesagt in das Universitätsklinikum Münster. Quasi in letzter Minute! Das hört sich jetzt ziemlich dramatisch an … Da ich aber nicht unbedingt so auf die Kacke hauen will, lautet der Titel auch nicht: „Zippelmützes Kampf mit dem Tod“ … wobei es in Wirklichkeit ja noch viel schlimmer um mich stand. Aber der Reihe nach.

Am 20.02.2019 kam ich ins Krankenhaus, weil es mir echt nicht gut ging. Vorausgegangen war eine Entzündung am Fuß, die sich in eine Nekrose am Vorfuß verwandelte. Und wie Männer so sind: Das kommt von allein – das geht auch wieder von allein … AM ARSCH! Vielleicht sagt euch der Begriff Schaufensterkrankheit etwas. In der Fachsprache heißt das PAVK – aber es bedeutet eben, dass man nach wenigen Metern immer wieder Beinschmerzen hat, weil die Arterien in den Stelzen nicht richtig durchblutet werden – und stehen bleiben muss … wie bei einem Schaufensterbummel eben. Tja und ich hatte PAVK im Stadium IV – also volle Punktzahl^^


Auf dem Bild: Die Chirurgie des UKM – Foto: © Universitätsklinikum Münster
Auf dem Bild: Die Chirurgie des UKM – Foto: © Universitätsklinikum Münster

So nahm ich täglich eine gute Anzahl Schmerzmittel und wartete darauf, dass alles wieder gut wird. Genaue Zahlen, Daten und weiteres Fach-Chinesisch werde ich hier nicht groß zelebrieren, da es mir psychisch gesehen immer noch zu schaffen macht.

Nun – diese Anzahl an Schmerzmittel missfiel meinem restlichen Körper irgendwie … und es kam, was kommen musste – der Magen machte irgendwann nicht mehr mit. Auch da gehe ich nicht auf weitere Innereien ein – bitte verzeiht mir dies.

In der Tat stand mein Leben ziemlich auf der Kippe, wie ich hinterher erfuhr. Apropos Kippe – Ich bin seit dem 20.02.2019 absolut Rauchfrei! Also seit dem Zeitpunkt, als ich in die Klinik kam … Eine Geschichte, wo der Chefarzt sehr stolz drauf ist. Die meisten Patienten fangen ja recht zügig wieder an zu Quarzen … aber ich irgendwie nicht so. Ich hatte ja auch ganz andere Sorgen: Was Gescheites zu Trinken! Gab es aber nicht – zumindest nicht für mich. Richtig trinken durfte ich nicht und etwas mit Geschmack gab es auch nicht. Es war dementsprechend eine ziemlich leidige Zeit.

Insgesamt wurde acht Mal an mir rum operiert (also die größeren Op´s) … und ebenso viele Schläuche hingen zwischenzeitlich aus mir raus. Rein, wie raus – alles mit Schläuchen! Dazu wurde mir ja dann auch der rechte Vorderfuß amputiert usw.

Ich kann mich gar nicht an alles erinnern – weiß auch nicht, wie oft – bzw. wie lang ich auf der Intensivstation lag … und das is wohl auch gut so^^

Und ganz nebenbei stellte sich auch noch der Befund einer Lungenembolie heraus – dann die ganzen Narben überall … nen halben appen Fuß … alles so Kleinigkeiten, die nicht unbedingt hätten sein müssen. 


Das haut einem auch gut die Psyche weg! Es war mir ehrlich gesagt wenig Trost, dass ich einfach Pech hatte. Pech in dem Sinne, dass bei mir eine seltene Kombi zugeschlagen hat. Dass Rauchen nicht gerade gesund is, wissen wir ja alle – aber Rauchen UND fettiges Essen … das war bei mir eine Symbiose, die mir nicht so wohl gesonnen war. „Das muss man aber auch erst mal wissen“ … so der Chefarzt. Ich hatte – bzw. hab ja sonst ganz gute Organe. Leber und vor allem die Lunge entsprachen nicht unbedingt dem, was ich vorher meinem Körper zugemutet hab ... oder vielleicht doch. Für einen Kettenraucher, wie ich es war, ist die Lunge in einem großartigen Zustand - Ich bin ja gern mit dem Rennrad gefahren - vielleicht hat das was gebracht. Und auch die Leber …  Mein Motto war ja mal: „Ich trinke wenig, aber oft und dann viel" ... Seit meinem Aufenthalt im Krankenhaus hat sich eben einiges geändert. 

Alles in allem hab ich dann gut sechs/sieben Wochen da gelegen. Das hört sich jetzt gar nicht so lange an … aber für mich war es lang genug – und es kam ja auch noch die Reha.

So nach und nach ging es mir aber besser – und ich war ja auch nicht mehr so „dauerstoned“. Hab also ziemlich klar im Kopp warten dürfen, bis ich dann endlich aus dem Krankenhaus wieder raus kam.

Dann kam die Reha … und DIE war dann auch nicht so der Hit. Verschenkte Zeit – denn wenn man im Dachgeschoss wohnt – ohne Fahrstuhl … dann entwickelt man schon von Haus aus seine Möglichkeiten, die Treppe hoch zu kommen. Aber auch die drei Wochen hab ich irgendwie rum bekommen.

Jetzt bin ich ja längst wieder Zuhause und hab auch bereits die Zippelmütze wieder auf … aber alles sehr gemächlich, denn es geht einfach noch nicht so – wie ich möchte. Aber nun denn – ich will euch da nicht volljammern^^


Aber an dieser Stelle möchte ich mal ein ganz großes Dankeschön an alle Beteiligten loswerden. 1000 Dank an die Ärzte, die mich wieder ans Laufen gebracht haben. Danke an alle Schwestern und Pfleger! Was müsst ihr für Nerven haben?!^^

Ein richtig fettes Dankeschön geht an mein Betreuerteam hier in Werne. Von meiner Hausärztin Frau Hoppe mit ihrem Team bis zu Dr. Khoury und seinem Team.

Aber der größte Dank geht an meine Verlobte samt Familie. Ebenso an meinen Vater, der mir das Zippelmützmobil besorgt hat. Die haben alle ganz schön gelitten, das kann ich euch sagen … und meine Verlobte macht heute noch nen ordentlichen Faden mit mir mit^^ Wie gesagt – es is nicht immer einfach mit mir, da ich ja auch jede Tour bestens vorbereiten muss. Ich kann ja nicht mal eben nochmal die Treppen hoch …

Und wenn ich erst einmal unterwegs bin, dann geht es auch (hö hö hö … der hat gehen gesagt^^) - Humor is da ganz wichtig! Gern auch schwarzer Humor. Die Schwestern im KH haben eine gute Kostprobe bekommen – das könnt ihr mir glauben!


Und nun? Ich hab zwei Mal die Woche Termine beim Doc, nehme brav meine Medikamente und sehe zu, dass ich wieder gut dabei bin. Zu meinen Außenterminen bin ich auf mein Zippelmütz-Mobil angewiesen und hoffe möglichst Barrierefrei durchs Leben zu kommen. Und wenn gar nix mehr geht, dann kann ich zur Not auch ein paar Schritte so machen! Is ja nicht so, dass jetzt gar nix mehr läuft! Dauert halt hier und da ein wenig länger und kostet Kraft.

Aber Kraft finde ich ja durch meine Verlobte, ihre Familie, meinem Papa und durch meine Freunde. Und da sind ja auch noch meine Leser. Es ist manchmal erstaunlich, wer alles so meine Artikel liest. Das kriegt man oft aber dann erst mit, wenn man die Leute in der Stadt trifft. Ihr dürft die Artikel übrigens gern liken und teilen ;) Dann kriegen es noch mehr Leute mit. Stichwort Reichweite und so.

 

Jetzt gucke ich, wie ich das Wochenende überstehe, und wenn es mir gut geht, bin ich am Rosenmontag in der Werner Innenstadt und knipse ein wenig durch die Gegend.

In diesem Sinne – lasst es euch gut gehen – übertreibt es nicht … und wir sehen uns!