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„Sarg zum Abschied … leise Servus“ …

Foto: William Warren
Foto: William Warren

Werne/London – Am nächsten Samstag ist Halloween. Jener Tag, bzw. Nacht … wo so manche Geister, Vampire und andere Monster aus ihren Gräbern steigen. In der Regel kommt man ja nach dem Ableben in eine Urne oder in einen Sarg. Beides wird meist erst angeschafft, wenn Gevatter Tod seinen Job erledigt hat. Es gibt viele Leute, die sich vor dem Tod schon mit der Art ihrer Aufbewahrung auseinandersetzen – was ja auch vernünftig ist. Und dann gibt es Menschen von einem ganz besonderen Schlag, die sich die Urne oder den Sarg ins Wohnzimmer stellen … wo sie dann als Blumenvase oder im Falle des Sarges zu Lebzeiten als Regal fungieren …

Foto: William Warren
Foto: William Warren

Als Regal??? Ja! Das ist jetzt kein billiger Halloween-Scherz von einem schwedischen Möbelhaus, sondern das Werk des britischen Designers William Warren, der sich durchaus ernsthaft mit dem Thema befasst hat.

William Warren hat eine ganze Reihe von Bücherregalen entworfen, die ein Leben lang (und darüber hinaus^^) halten werden. Diese Regale sind so konzipiert, dass man sie „zu gegebener Zeit“ in einen Sarg umbauen kann.

Dazu gibt es ein Messingblech unter dem Regal, was quasi als Bauanleitung dient und später mit der Rückseite als Tafel auf dem Sarg graviert werden kann.

 

Es ist ein Möbelstück für das ganze Leben … und was danach so kommt^^

William Warren ist jetzt nicht irgendein Spaßvogel, der mit schwarzem Humor ans Werk geht … wobei das in diesen Zeiten ein wirksames Mittel ist, mit schlechten Nachrichten zurecht zu kommen.

Warren betreibt ein Beratungsunternehmen für Möbel- und Produktdesign, ist Senior Lecturer an der London Metropolitan University und hält außerdem Vorlesungen an verschiedenen Universitäten und Colleges.

 

Seine Regale wurden erstmals während des Londoner Design-Festivals 2005 in der British Library vorgestellt und haben seitdem im Internet hohe Wellen geschlagen. So landete das Werk dann natürlich auch irgendwann auf facebook, wo es jedoch nicht ganz so ernst genommen wurde. In Warrens Designphilosophie geht es ihm jedoch darum, emotionale Erfahrungen zu schaffen, uns zum Nachdenken über unser Hab und Gut anzuregen.

Foto: William Warren
Foto: William Warren

Wir Menschen leben ja von Erinnerungen. Die meisten Menschen haben mindestens ein Erinnerungsstück eines geliebten Verwandten in der Wohnung. Mal ist es ein Schmuckstück, mal das gute Porzellan-Essgeschirr, das nur an Festtagen aus dem Schrank geholt wurde usw.

Genau diese Verbindung zu symbolischen Objekten ist es, die William Warren inspiriert hat, diese „Regale des Lebens“ zu schaffen.

Wenn ihr ein solches Möbelstück habt, dann lebt es mit euch. Das Leben hinterlässt nun mal Flecken und Narben, die sich manchmal kaum vermeiden lassen.

Oft ist ja ein Sarg das teuerste Stück Holz, das je für euch angeschafft wurde … obwohl die Kiste nicht selten eher eine schlechtere Qualität hat. Und da kann man sich schon mal fragen: „Wozu das Ganze“?

 

Wenn ihr aber mit so einem Sarg eingebuddelt werdet, der euch vorher als Bücherregal diente – so nehmt ihr ja quasi all euer Wissen – eure Gedanken und euer Leben mit ins Grab.


Ich finde das durchaus eine schöne Idee mit einem sehr feinen Sinn dahinter.

 

Der Designer gab ja zu, dass es Kritiker gab, denen seine Arbeit nicht so wirklich gefiel^^ Seine Entwürfe weisen öfter humorvolle konzeptuelle Wendungen auf, denen halt auch schon mal eine gute Prise schwarzer Humor beiwohnt. Aber wie ich schon weiter oben geschrieben hab, ist schwarzer Humor ein wirksames Mittel bei schlechten Nachrichten. Ohne dem hätte ich es in meinem Leben schon viel schwerer gehabt. Und dabei heißt es doch: Humor ist, wenn man trotzdem lacht – und jetzt erst recht!