Werne/Münster – Nun ist es bereits sieben Jahre her, dass ich ins Krankenhaus kam. Genauer gesagt in das Universitätsklinikum Münster. Quasi in letzter Minute! Das hört sich jetzt sehr dramatisch an … Da ich aber nicht unbedingt so auf die Kacke hauen will, lautet der Titel auch nicht: „Zippelmützes Kampf mit dem Tod“ … wobei es in Wirklichkeit ja noch viel schlimmer um mich stand. Aber der Reihe nach.
Am 20.02.2019 kam ich ins Krankenhaus, weil es mir echt nicht gut ging. Vorausgegangen war eine Entzündung am Fuß …. Und wie Männer so sind: Das kommt von allein – das geht auch wieder von allein … AM ARSCH!
Dazu kam der Kamerad PAVK. Vielleicht sagt euch der Begriff Schaufensterkrankheit etwas. In der Fachsprache heißt das PAVK – aber es bedeutet eben, dass man nach wenigen Metern immer wieder Beinschmerzen hat, weil die Arterien in den Stelzen nicht richtig durchblutet werden – und man stehen bleiben muss … wie bei einem Schaufensterbummel eben. Tja und ich hatte PAVK im Stadium IV – also volle Punktzahl^^
So nahm ich täglich eine gute Anzahl Schmerzmittel und wartete darauf, dass alles wieder gut wird. Genaue Zahlen, Daten und weiteres Fach-Chinesisch werde ich nicht groß zelebrieren, da es hier nicht soo wichtig is.
Aber zurück zum besagten Tag:
Nun – diese Anzahl an Schmerzmittel missfiel meinem restlichen Körper irgendwie … und es kam, was kommen musste – der Magen machte irgendwann dann auch nicht mehr mit. Auch da gehe ich nicht auf weitere Innereien ein – bitte verzeiht mir dies. Ich bin nicht der Typ, der wegen jedem Furz zum Arzt geht – war ich auch noch nie … hätte ich hier und da aber vielleicht machen sollen.
An diesem Tag ging es mir morgens aber eben so schlecht, dass sogar ich nen Notarzt wollte. Viel mehr weiß ich von dem Moment an auch nicht mehr.

Irgendwann fand ich mich in der Uniklinik Münster wieder … um genauer zu sein – auf der dortigen Intensivstation. Mein Leben stand tatsächlich ziemlich auf der Kippe, wie ich hinterher erfuhr. Aber für ne große Klappe reichte es immer noch^^ Mit auf der Intensivstation war eine Person, die sich das Leben nehmen wollte und angeblich durch das geschlossene Fenster sprang … aber das Ziel verfehlte. Die Person schimpfte, was das Zeug hielt und warf auch schon mal Gegenstände durch das Zimmer … sehr nervend.
Einmal landete ein Becher bei mir … na ja, und ich kann ja dann auch nicht die Klappe halten^^ Ich hab dann wohl sowas gesagt, wie: „Noch ein mal und ich reiß dir den Kopp ab und werf ihn dir ins Gesicht … oder scheiß dir in den Hals“ … irgend sowas – Die Stationsschwestern fanden es jedenfalls recht witzig, wie mir hinterher berichtet wurde. Allerdings hatten die Schwestern und Pfleger auch ziemlich zu leiden … denn wie gesagt – ich kann hier und da die Klappe nicht halten^^ Allerdings hatten sie ein Stück weit auch Verständnis, da meine Situation jetzt nicht ganz so prickelnd war.
Insgesamt wurde acht Mal an mir rum operiert (also die größeren Op´s) … und ebenso viele Schläuche hingen zwischenzeitlich aus mir raus. Rein, wie raus – alles mit Schläuchen! Dazu wurde mir ja dann auch der rechte Vorderfuß amputiert usw.
Ich kann mich gar nicht an alles erinnern – weiß auch nicht, wie oft – bzw. wie lang ich auf der Intensivstation lag … und das is wohl auch gut so^^
Und ganz nebenbei stellte sich auch noch der Befund einer Lungenembolie heraus – dann die ganzen Narben überall … nen halben appen Fuß … alles so Kleinigkeiten, die nicht unbedingt hätten sein müssen.
Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, wo man sagen konnte: „Ich hab es überlebt!“ All das haut einem aber auch gut die Psyche weg! Es war mir ehrlich gesagt wenig Trost, dass ich einfach Pech hatte. Pech in dem Sinne, dass bei mir eine seltene Kombi zugeschlagen hat. Dass Rauchen nicht gerade gesund is, wissen wir ja alle – aber Rauchen UND fettiges Essen … das war bei mir eine Symbiose, die mir nicht so wohl gesonnen war. „Das muss man aber auch erst mal wissen“ … so der Chefarzt. Ich hatte – bzw. hab ja sonst ganz gute Organe. Leber und vor allem die Lunge entsprachen nicht unbedingt dem, was ich vorher meinem Körper zugemutet hab ... oder vielleicht doch. Für einen Kettenraucher, wie ich es war, ist die Lunge in einem großartigen Zustand. Ich bin ja gern mit dem Rennrad gefahren - vielleicht hat das was gebracht. Und bevor jemand fragt … ja – ich rauche wieder.
Aber auch die Leber … Mein Motto war ja mal: „Ich trinke wenig, aber oft und dann viel" ... Seit meinem Aufenthalt im Krankenhaus hat sich eben einiges geändert. Ich hatte seit meiner Einlieferung auch nicht mehr geraucht! Im Krankenzimmer gab es allerdings auch keine Aschenbecher^^
Alles in allem hab ich in Münster gut sechs/sieben Wochen da gelegen – die meiste Zeit (zum Glück) „dauerstoned“. Das hört sich jetzt gar nicht so lange an und mir ging es so nach und nach besser … aber für mich war es trotzdem lang genug.
Dann kam die Reha … und DIE war dann auch nicht so der Hit. Verschenkte Zeit! Denn wenn man im Dachgeschoss wohnt – ohne Fahrstuhl … dann entwickelt man schon von Haus aus seine Möglichkeiten, die Treppe hoch und runter zu kommen. Aber auch die drei Wochen hab ich irgendwie rum bekommen.
An dieser Stelle möchte ich mal ein ganz großes Dankeschön an alle Beteiligten loswerden. 1000 Dank an die Ärzte, die mich wieder zusammen gebastelt haben.
Danke an alle Schwestern und Pfleger! Was müsst ihr für Nerven haben?!^^
Ein richtig fettes Dankeschön geht an mein Betreuerteam hier in Werne.
Aber der größte Dank geht an meine Verlobte samt Familie. Ebenso an meinen Vater, der mir das Zippelmützmobil besorgt hat. Die haben alle ganz schön gelitten, das kann ich euch sagen …
Und nun? Ich nehme brav meine Medikamente, besuche zwischendurch diverse Arztpraxen und sehe zu, dass es mir gut geht. Zu meinen Außenterminen bin ich auf mein Zippelmütz-Mobil angewiesen und hoffe möglichst Barrierefrei durchs Leben zu kommen. Und wenn gar nix mehr geht, dann kann ich zur Not auch ein paar Schritte so machen! Is ja nicht so, dass jetzt gar nix mehr läuft! Dauert halt hier und da ein wenig länger und kostet Kraft. Aber Kraft finde ich ja durch meine Verlobte, ihrer Familie, meinem Papa und durch meine Freunde.
Im Prinzip geht es mir ganz gut … allerdings kam im vergangenen Jahr dann die Diagnose Diabetes ins Programm^^ Aber auch da läuft es ganz ok. Ich bin ganz gut eingestellt und auch die Blutwerte sind beruhigend.
Und das, obwohl ich nicht auf alles verzichte, wie ich es vielleicht sollte. Aber ganz wichtig is da ja auch der Kopp! Auf Humor und Wohlbefinden leg ich da ganz großen Wert. Wenn mir alles zu viel wird, zieh ich mich einfach ein wenig zurück … oder fahre mit meinem „Rentnermobil“ durch die Gegend und genieße das Leben.
Das kann ich jedem einfach nur empfehlen, der auch gesundheitliche Probleme hat:
Genießt das Leben, so gut es geht … denn ihr habt nur eins.
